Für fünf der besten Bergsteiger Österreichs verlor sich die Spur vom oder zum Gipfel des 7661 m hohen Dhaulagiri IV im Himalaya. Mit dabei der technische Leiter der Österreichischen Bergrettung – Ortsstelle St.Pölten, Kurt Ring. Bis zum heutigen Tag gelten sie als verschollen im ewigen Eis.
Ein Anlass sich zurückzuerinnern!
Wie ein Keulenschlag hatte uns die Nachricht, dass unsere Freunde am Dhaulagiri IV verschollen sind, getroffen. Die Schwierigkeiten waren überwunden, der Gipfel in Griffweite. Was war geschehen? Fragen über Fragen und keine Antworten.
Die Schwierigkeit und Ausgesetztheit des Weges über den Barriergipfel machte es den verbliebenen Freunden im Basislager unmöglich, nach oben zu gehen. Einzig Leo Graf startete einen Versuch, doch der mit ihm gehende Sherpa verweigerte den weiteren Aufstieg oben am First zwischen Himmel und Erde. Geschlagen und verzweifelt versuchten die Freunde mit Hubschrauber und letztendlich mit einem Militärdüsenjet zumindest Gewissheit zu erlangen, was passiert ist. Doch nichts!
Ing. Oskar Krammer, der mit im Düsenjet mitgeflogen war, berichtet:„Der Schnee war unberührt, weit hinten die leuchtenden Berge Tibets, keine Spuren, kein Abbruch, kein Lager, keine Zelte, kein Farbfleck, der Berg hatte unsere Freunde verschluckt.“
Für die Zurückgebliebenen war es damals eine dramatische Zeit, fünf Familien verloren ihre Söhne, ihre Partner, und wir verloren unsere Freunde, mit denen wir so viele Stunden und Tage am Berg, im Eis und im schweren Fels im Sinne des Wortes verbunden waren.
Wie war Kurt? Fröhlich, aufgeschlossen, immer zum Spaßen aufgelegt, ab und zu ein bisschen ärgerlich, aber vor allem mit Energie und Ehrgeiz ausgestattet. Kurt hatte überdies einen ausgeprägten, talentierten Bewegungsdrang und war trotz seines Könnens und seiner Leistungen bescheiden geblieben.
Mit ihm zu klettern war eine reine Freude. Wie eine Eichkatze huschte er die schwierigsten Routen nach oben, nahm sich kaum Zeit, die Haken richtig zu setzen, und oft kamen diese von selbst, lustig am Seil klingend, einem beim Nachstieg entgegen. „Ich hab’ sie ja nur auf Druck gebraucht, Zug haben sie ja nicht aufnehmen müssen“, war oft sein lakonischer Kommentar dazu.
Franz war gerade von einer Expedition zurück, er hatte als einziger der Mannschaft den Talung Peak, einen Bergriesen von 7349m im Himalaya, Nepal/Indien in der Kanchenjunga Gruppe, mit seinem Sherpa Nindra ersterstiegen. Jenem Sherpa Nindra, der 5 Jahre später mit Kurt am Dhaulagiri unterwegs war und dann mit unseren Freunden für immer dort geblieben ist.
Es gab viel zu erzählen, wir schwelgten von vergangenen Fahrten, wir planten für die Zukunft, definierten unsere Ziele. Wenn das Wetter passt, werden wir in 2 Tagen zum Walkerpfeiler gehen. Wir waren auch dort. Unter seiner 75m Verschneidung biwakierten wir. In der Nacht riss uns ein gewaltiger Felssturz aus dem Schlaf und wir hatten das Gefühl, dass der ganze Berg in sich zusammenbricht. Am Morgen kehrten Franz und ich hier um. Franz, der direkt von seiner kräftezehrenden Expetition zurückgekehrt war, fühlte sich für den schwierigen Fels noch nicht fit genug.
Sie kamen wieder. Wir waren glücklich. 5 Jahre später war uns dieses Glück verwehrt. Du, lieber Kurt, und deine wie auch unsere Kameraden kamen vom Berg eurer Sehnsucht nicht mehr zurück. Verschollen im ewigen Eis des Dhaulagiri.
Ich erwache aus meinen Tagträumen. Vor mir das Kreuz, das Ringkreuz. Du Kurt und auch deine geliebte Ingrid, die 1997 in einer Lawine ums Leben gekommen ist, seid hier nun wieder vereint. Die Berge waren euer Leben und wurden eure Erfüllung. Es waren herrliche Jahre mit euch! Zeiten, Erlebnisse, die unauslöschbar in unseren Herzen sind und weiterleben. Pfiat euch! Ich komme nach und dann sind wir wieder gemeinsam unterwegs!