Alpin Notruf: 140
In memoriam – Kurt Ring (1933-1969)

In memoriam – Kurt Ring (1933-1969)

Vor 50 Jahren am 10.11.1969 ereignete sich eine der schwersten österreichischen Bergtragödien.

Für fünf der besten Bergsteiger Österreichs verlor sich die Spur vom oder zum Gipfel des 7661 m hohen Dhaulagiri IV im Himalaya. Mit dabei der technische Leiter der Österreichischen Bergrettung – Ortsstelle St.Pölten, Kurt Ring. Bis zum heutigen Tag gelten sie als verschollen im ewigen Eis.
Ein Anlass sich zurückzuerinnern!

In memoriam - Kurt Ring (1933-1969) 1
In memoriam - Kurt Ring (1933-1969) 2
In memoriam - Kurt Ring (1933-1969) 3
Bericht von Herwig Handler:

Wie ein Keulenschlag hatte uns die Nachricht, dass unsere Freunde am Dhaulagiri IV verschollen sind, getroffen. Die Schwierigkeiten waren überwunden, der Gipfel in Griffweite. Was war geschehen? Fragen über Fragen und keine Antworten.

Die Schwierigkeit und Ausgesetztheit des Weges über den Barriergipfel machte es den verbliebenen Freunden im Basislager unmöglich, nach oben zu gehen. Einzig Leo Graf startete einen Versuch, doch der mit ihm gehende Sherpa verweigerte den weiteren Aufstieg oben am First zwischen Himmel und Erde. Geschlagen und verzweifelt versuchten die Freunde mit Hubschrauber und letztendlich mit einem Militärdüsenjet zumindest Gewissheit zu erlangen, was passiert ist. Doch nichts!

Ing. Oskar Krammer, der mit im Düsenjet mitgeflogen war, berichtet:„Der Schnee war unberührt, weit hinten die leuchtenden Berge Tibets, keine Spuren, kein Abbruch, kein Lager, keine Zelte, kein Farbfleck, der Berg hatte unsere Freunde verschluckt.“

Für die Zurückgebliebenen war es damals eine dramatische Zeit, fünf Familien verloren ihre Söhne, ihre Partner, und wir verloren unsere Freunde, mit denen wir so viele Stunden und Tage am Berg, im Eis und im schweren Fels im Sinne des Wortes verbunden waren.

Wie war Kurt? Fröhlich, aufgeschlossen, immer zum Spaßen aufgelegt, ab und zu ein bisschen ärgerlich, aber vor allem mit Energie und Ehrgeiz ausgestattet. Kurt hatte überdies einen ausgeprägten, talentierten Bewegungsdrang und war trotz seines Könnens und seiner Leistungen bescheiden geblieben.

Mit ihm zu klettern war eine reine Freude. Wie eine Eichkatze huschte er die schwierigsten Routen nach oben, nahm sich kaum Zeit, die Haken richtig zu setzen, und oft kamen diese von selbst, lustig am Seil klingend, einem beim Nachstieg entgegen. „Ich hab’ sie ja nur auf Druck gebraucht, Zug haben sie ja nicht aufnehmen müssen“, war oft sein lakonischer Kommentar dazu.

Die Liebe zu den Bergen aber teilte und pflegte Kurt mit seiner geliebten Ingrid. Die Freundschaft zu ihr, die schon im Kindergarten begann, wurde Jahre später mit dem Bund der Ehe besiegelt. Viele schwierigste Bergfahrten meisterten die Beiden und viele darunter waren Routen, die zum ersten Mal von einer Frau begangen wurden.
Wegen Kurts Bindung zu Ingrid kam es dann oft dazu, dass wir als Dreierseilschaft unterwegs waren. Die Rings mit dem Franzl (DI Architekt Lindner) oder mit mir. Oder wir waren eben als zwei Zweierseilschaften unterwegs. Und wenn wir oft im Zelt, im Biwak zusammen saßen, redeten wir oft über vergangene Erlebnisse und unsere neuen Ziele. Franz und mir war es schon vergönnt gewesen in die Berge der Welt hinauszuziehen und als erste Menschen auf hohen Gipfeln zu stehen. Kurt erhielt die Chance mit der Expedition zum Dhaulagiri IV zu gehen und wir haben uns gemeinsam mit ihm darüber gefreut.
Wenn ich oben am Tirolerkogel bei dem nach allen Himmelsrichtungen und zum Himmel ausgerichtetem Kreuz stehe (errichtet von der Hochgebirgsgruppe ÖAV Sektion St.Pölten, deren Leiter Kurt war, und dem Österreichischen Alpenklub unter Einbindung der St. Pöltner Alpenvereinsjugend), dreht sich das Rad der Zeit zurück. Auf einmal sitzen wir wieder zusammen in den langen Nächte auf unserer Bergrettungshütte. Kurt war unser technischer Leiter, auch beim Pläneschmieden und Kartenspiel. Die Tage im Mont-Blanc-Gebiet, die Biwaks am Walkerpfeiler mit dem gewaltigen Felssturz und in der Nordwand der Plan de Aiguille unter dem mächtigen Übergang vom Felspfeiler zur Eiswand sind wieder vor Augen.
Ja, das Biwak in der Aiguille Nordwand war etwas Besonderes und sicher das Schönste. Kurt, Ingrid, Franz und ich waren den unteren Felspfeiler, Fels bis zum IV. Schwierigkeitsgrad, seilfrei hinaufgestürmt. Wir sahen uns schon auf dem Gipfel, doch der Übergang zum Hängegletscher war eine ca. 40m hohe zum teil überhängende Eiswand. Ein abgespaltener Serac auf halber Höhe schien einen Zugang zu ermöglichen. Aber an der oberen leicht überhängenden Lippe kam das Aus: Zu weich war der überlagerte Firn und bot keine Möglichkeit eine Verankerung zu setzen. Sollte hier die Tour zu Ende sein?
In memoriam - Kurt Ring (1933-1969) 4
In memoriam - Kurt Ring (1933-1969) 5
In memoriam - Kurt Ring (1933-1969) 6
In memoriam - Kurt Ring (1933-1969) 7
Lange studierten wir den Abbruch und entdeckten links, nur über eine heikleQuerung erreichbar einen senkrechten leicht überhängenden Eiskamin aus blaugrün spiegelglattem kaltem Eis. Kurt als Seilerster und ich stiegen durch ihn hinauf und setzten ein Fixseil für den morgigen Tag, während Ingrid und Franz einen wunderbaren Biwakplatz bauten. Es war ein Traumbiwak. Wir genossen den ausklingenden Tag, die untergehende Sonne das Angehen der Lichter in Chamonix, das tief unten direkt zu unseren Füßen lag.

Franz war gerade von einer Expedition zurück, er hatte als einziger der Mannschaft den Talung Peak, einen Bergriesen von 7349m im Himalaya, Nepal/Indien in der Kanchenjunga Gruppe, mit seinem Sherpa Nindra ersterstiegen. Jenem Sherpa Nindra, der 5 Jahre später mit Kurt am Dhaulagiri unterwegs war und dann mit unseren Freunden für immer dort geblieben ist.

Es gab viel zu erzählen, wir schwelgten von vergangenen Fahrten, wir planten für die Zukunft, definierten unsere Ziele. Wenn das Wetter passt, werden wir in 2 Tagen zum Walkerpfeiler gehen. Wir waren auch dort. Unter seiner 75m Verschneidung biwakierten wir. In der Nacht riss uns ein gewaltiger Felssturz aus dem Schlaf und wir hatten das Gefühl, dass der ganze Berg in sich zusammenbricht. Am Morgen kehrten Franz und ich hier um. Franz, der direkt von seiner kräftezehrenden Expetition zurückgekehrt war, fühlte sich für den schwierigen Fels noch nicht fit genug.

Für Kurt und Ingrid wurde der Walkerpfeiler einer ihrer Meisterstücke, ein Prüf- und Meilenstein ihres Lebens. Ein gewaltiger Wettersturz mit orkanartigen Stürmen und Schnee bis fast ins Tal fesselte sie am Pfeiler. Gemeinsam mit einer anderen Seilschaft kämpften sie um ihr Leben, kämpften sich durch Schnee, vereisten Fels und den Orkan zum Gipfel. Für uns im Tal waren es schwere Stunden der Ungewissheit.

Sie kamen wieder. Wir waren glücklich. 5 Jahre später war uns dieses Glück verwehrt. Du, lieber Kurt, und deine wie auch unsere Kameraden kamen vom Berg eurer Sehnsucht nicht mehr zurück. Verschollen im ewigen Eis des Dhaulagiri.

Ich erwache aus meinen Tagträumen. Vor mir das Kreuz, das Ringkreuz. Du Kurt und auch deine geliebte Ingrid, die 1997 in einer Lawine ums Leben gekommen ist, seid hier nun wieder vereint. Die Berge waren euer Leben und wurden eure Erfüllung. Es waren herrliche Jahre mit euch! Zeiten, Erlebnisse, die unauslöschbar in unseren Herzen sind und weiterleben. Pfiat euch! Ich komme nach und dann sind wir wieder gemeinsam unterwegs!

In memoriam - Kurt Ring (1933-1969) 8
Rückblick TdoT 2019

Rückblick TdoT 2019

Das Wetter und die Temperaturen luden Anfang Oktober nicht gerade zum Wandern ein. Als Bergrettung lassen wir uns davon aber nicht abschrecken und deshalb findet der „Tag der offenen Hüttentür“ (TdoT 2019) bei jedem Wetter statt.

Heuer luden wir zum 4. Mal dazu ein, und so warteten am Samstag 14 Bergretter auf Wanderer um diese zu verköstigen und in der Stube aufzuwärmen. Draußen vor der Hüttentür gab’s Dauerregen und am Tirolerkogel fiel der erste Schnee. Es kamen dann auch zwei Wanderer, welche herzlichst begrüßt wurden.

Am Sonntag hörte der Regen gottseidank in der Früh auf und die Sonne kam zeitweise hervor. So konnten wir doch noch zahlreiche Wanderer bei uns begrüßen und wir brachten unsere Grillwürstel noch an den Mann / die Frau. Heuer war auch unser neues „Heizfass“ zum 1. Mal im Einsatz, worüber sich jeder Besucher freute der sich daran aufwärmte.

Ein herzliches DANKE an alle Besucher welche sich durch das Wetter nicht abschrecken und unser Fest wieder zu einem Erfolg werden ließen. Es war wieder ein gemütliches Beisammensein.

Fotos: © ÖBRD
Es gibt immer was zu tun – Update

Es gibt immer was zu tun – Update

Der Sommer naht in riesen Schritten, und so heißt es auch für uns die Spuren des Winters zu beseitigen bzw. alles auf Vordermann für die nächste Saison zu bringen.

Deshalb wurden vergangenes Wochenende mit etwas Verspätung die Markierungsstangen am Tirolerkogel-Hochplateau wieder eingesammelt und verstaut. Bei der Einfahrt ins Sterngassl ist immer noch ein großes Altschneefeld, aber der Sommerweg ist schon frei. Die Stangen müssen jedes Jahr wieder eingesammelt werden, da sie sonst von den Kühen zerstört werden.

In Österleinbrunn gehen die Sanierungsarbeiten in kleinen Schritten weiter. Unser Aufenthaltsraum hat ein neues Holzfenster mit Isolierverglasung erhalten, welches wir dankenswerterweise von der Fa. WK-Fenster zur Verfügung gestellt bekamen. Nun haben wir aufgrund der etwas größeren Glasfläche mehr Licht in unserer Stube. Auch unseren Holzlagerplatz hinter der Hütte haben wir zusammengeräumt, da wir dort eine  Holzaussenwand erneuern müssen und wir für den Lagerplatz eine Überdachung machen wollen.

Der nächste Arbeitseinsatz ist für September geplant, damit unsere Hütte für den Tag der offenen Tür wieder herzeigbar und für die nächsten Dienste einsatzbereit ist. Ganz nach dem Motto: Es gibt immer was zu tun.

Update 19.08.2019:

Der 2. Arbeitseinsatz liegt nun hinter uns.
Wir haben den Fenstereinbau vollendet, indem wir die Fensterläden und Fensterfaschen montiert haben.
Weiters ist unser Unterstellplatz nun fertig, was einiges an Arbeit war:

  • Fundamente für Säulen herstellen
  • morsche Holzwand erneuern
  • Hüttenaussenwand neu verkleiden
  • Dachtragkonstruktion aufstellen
  • Dach errichten
  • ebenen Platz zur Lagerung herstellen

Das Ergebnis kann sich jedenfalls sehen lassen.

Fotos: © ÖBRD
Tag der offenen Tür 2019

Tag der offenen Tür 2019

Am 05. + 06. Oktober 2019 findet wieder ein „Tag der offenen Tür“ auf unserer Bergrettungshütte in Österleinbrunn statt.

Dazu sind alle recht herzlich eingeladen. Wir haben wieder das bewährte und allseits beliebte Rahmenprogramm der letzten Jahre für Euch:

  • Am Samstag wird uns bei der Hütte die Jagdhorngruppe Jauerling unterhalten
  • Führungen durch unsere Hütte; geht ganz schnell, so groß ist sie nicht
  • Die Anreise – also die Wanderung – erfolgt auf eigene Faust, wir sind von ca. 10:00 bis 17:00 Uhr vor Ort!
  • Weiters ist ein Geocache im Bereich der Hütte angelegt – INFOS DAZU
  • Für Essen und Getränke – gegen eine freiwillige Spende – ist wie immer gesorgt!
Schitourentage am Dachstein

Schitourentage am Dachstein

Der Winter neigt sich dem Ende zu, die meisten Schigebiete sind bereits geschlossen und auch unsere Ortsstelle hat die Winterdienste bereits beendet. Zum gebührenden Saisonausklang machten sich wieder ein paar Bergretter auf zu gemeinsamen Schitouren ausserhalb unseres Einsatzgebietes. Diesmal auf den Hohen Dachstein.

Da wir am Tirolerkogel oft genug mit Stürmen und widrigen Wetterverhältnissen zu kämpfen haben wurden wir diesmal mit prächtigstem Kaiserwetter belohnt.

Am Anreisetag besuchten wir den Notarzthubschrauberstützpunkt Niederöblarn im Ennstal und nächtigten dann in der Ramsau, um für den nächsten Tag ausgeruht zu sein. Da stand nämlich der Gipfel des Dachsteins am Programm, welchen wir mit Steigeisen, Pickel und zig anderen Bergbegeisterten erklommen.

Unser Nachtquartier bezogen wir diesmal in der neuen Seethalerhütte, welche nun auch im Winter geöffnet hat und auch Schlafplätze anbietet. Tags darauf ging’s auf die Rumplertour, also von unserer bequemen Hütte ausgehend auf der Österreich-Skitour rüber zum Krippenstein und über die Hochflächen zurück zum Koppenkarstein.

Am letzten Tag mussten wir natürlich wieder runter. Um diesen schönen Tag maximal auszunutzen fuhren wir aber mit unseren Tourenskiern über die Hochflächen Richtung Stoderzinken, wo es dann durch die Notgasse und die Öfen nach Gröbming ging. Dies ist eine eher einsame Skitour und sollte nur bei bester Sicht gemacht werden.

Jetzt wird die Skitourenausrüstung erst einmal „eingesommert“, wir freuen uns aber schon wieder auf die nächste Saison.

Fotos: © ÖBRD
Rückblick Lawinen-Update-Vortrag

Rückblick Lawinen-Update-Vortrag

Vortrag über „Geballtes Wissen für Wintersportler“ füllte das Kulturhaus Wagram in St.Pölten
Mehr als 350 bergbegeisterte Wintersportler folgten am Dienstag, 15. Jänner, dem lebhaften Vortrag von Michael Larcher vom Alpenverein.

Lawinen sind momentan das Thema Nr. 1 in Österreich. Gut, dass die beiden alpinen Vereine in St.Pölten (Alpenverein-Gebirgsverein und Sektion St.Pölten) sowie die Ortsstelle St.Pölten der Bergrettung im Zuge der Vortragsreihe „Lawinen-Update“ des Österr. Alpenvereins genau zum richtigen Zeitpunkt mit brandaktuellen Informationen rund um dieses heiße Themenfeld zur Stelle waren!

Michael Larcher, Bergsportreferent des Österreichischen Alpenvereins, begeisterte mehr als 350 Besucher im Zuge eines lebhaften, praxisnahen Vortrages im Kulturzentrum Wagram. Freerider, Schitourengeher, Schneeschuhwanderer und Winter-Wanderer kamen dabei nicht nur unterhaltungstechnisch voll auf ihre Kosten, sondern gingen mit geballtem Wissen über richtiges Verhalten im Wintergelände nach Hause. 

Im Anschluss an die Veranstaltung konnten der Bergrettung St.Pölten die freien Spenden für den Eintritt überreicht werden.  

Fotos: © Alpenverein