Schitourentage rund ums Westfalenhaus – 9. bis 12. April 2015
St. Pölten liegt offiziell auf 267m Seehöhe und ziemlich genau 2000m höher sollte unser „Basislager“ bei den diesjhrigen Schitourentagen, nämlich das Westfalenhaus auf 2273m, sein. Doch alles schön der Reihe nach…
Am Donnerstag reisten wir – insgesamt 6 BergretterInnen der OST St. Pölten – erst mal gemütlich ins Sellrain an und stiegen schwitzend von Lüsens – das Thermometer zeigte um die 20°C an – am Winterweg zum Westfalenhaus auf. Schon die ersten Blicke auf die Bergwelt um uns zeigten, in welch herrlichem Schitourengebiet wir hier unterwegs sein würden, wenn auch die Lawinensituation aufgrund der Neuschneefälle der letzte Tage in Kombination mit den nun recht warmen, vorherrschenden Temperaturen nicht außer Acht zu lassen sei. So entschieden wir uns, am Freitag den Längentaler-Weißer Kogel (3217m) zu besteigen. Dafür begann die Schitour erst mal mit einer Abfahrt von der Hütte ins Längental, in welchem wir dann eher sanft, nur einmal von einem kürzeren Steilaufschwung unterbrochen, aufstiegen und den gleichnamigen Gletscher erreichten. Hier hielten wir uns eher in der Mitte und nun immer steiler werdend ging’s mit einigen Spitzkehren weiter zum Schidepot knapp unterhalb des Gipfels, welchen wir im direkten Aufstieg, den letzten Teil des Gipfelgrates ausnützend, erreichten. Was für eine Fernsicht! Kein Wunder, dass diese Tour als Klassiker gilt. Unsere Blicke wanderten auch immer wieder hinüber zum Hohen Seeblaskogel. Er sollte für den nächsten Tag, wenn die Bedingungen es zuließen, unser Ziel sein. Doch erst hieß es zurück zur Hütte. Schon die ersten Schwünge ließen unser Grinsen immer breiter werden, denn trotz hoher Temperaturen konnten wir diese noch im herrlichsten Pulver ziehen. Da machte selbst der kurze Gegenanstieg zur Hütte keinem von uns mehr etwas aus.
Die Bedingungen und der Lawinenlagebericht für Samstag konnten nicht besser sein, also setzten wir unseren Plan in die Tat um. Wieder ging es dafür erst mal hinab ins Längental. Doch schon bald erreichten wir die Abzweigung zum Hohen Seeblaskogel. Wir hielten uns rechts und nun marschierten wir mit zahlreichen Spitzkehren über einen sehr steilen Hang in das schöne Hochtal mit dem Grüne-Tatzen-Ferner. Dann folgten wir dem Talverlauf aufwärts bis wenige Meter unterhalb des Gipfels zum Schidepot. Von hier ging’s zu Fuß über leichte Felsen zum höchsten Punkt. Wieder genossen wir den herrlichen Rundumblick, mussten jedoch feststellen, dass die Wetterprognosen stimmten und sich der strahlend blaue Himmel nun bereits leicht einzutrüben begann. Einer kurzen Gipfelrast stand jedoch trotzdem nichts im Wege, bevor wir wieder unsere Schi anschnallten. Der Hohe Seeblaskogel (3235m) machte seinem Ruf, eine steile Firntour im Längental zu sein, alle Ehre und so erreichten wir mit strahlenden Gesichtern und mit dem Fallen der ersten Schneeflockerl wieder das Westfalenhaus.
Da über Nacht nur wenige Zentimeter Schnee gefallen waren und bereits wieder die Sonne vom Himmel lachte, marschierten wir diesmal direkt vom Quartier bergwärts los. Erst ins breite Ochsenkar, vorbei an einem vom Vortag stammenden, breiten Lawinenschuttkegel, bis wir im Bereich des Winnebachjoches nach rechts in einen Kessel aufsteigen konnten. Von hier ging’s in einem ausholenden Bogen immer steiler werdend Richtung Gipfel weiter, wo wir wieder knapp darunter das Schidepot errichteten. Nun hieß es noch einen kurzen Steilaufschwung zu Fuß zu überwinden, bevor wir beim Gipfelkreuz auf dem Winnebacher Weißkogel (3182m) standen. Bei der Aussicht befiel den einen oder anderen von uns diese gewisse Sehnsucht, doch länger hier bleiben zu können. Wir hatten jedoch anderes im Sinn. Wir wollten noch die anschließende Abfahrt unterbrechen und wenige Meter oberhalb des Winnebachjoches eine Übungseinheit einlegen. Am Programm stand nun „Spaltenbergung“, was besonders von unseren Neuzugängen zur Ortsstelle mit viel Motivation und Elan geübt wurde. Dann hieß es jedoch von der herrlichen Bergwelt Abschied nehmen, durch mittlerweile etwas tieferem Schnee ins Tal ab- und nach einem letzten gemeinsamen Getränk auf der Sonnenterrasse wieder heimwärts fahren.
Abschließend möchte ich noch anmerken, dass natürlich während dieser vier Schitourentage mit Ausbildungs- und Übungseinheiten auch der Spaß nie zu kurz kam, ich das Westfalenhaus als Stützpunkt nur weiterempfehlen kann, Silvia zu ihrem ersten Schi-Dreitausender ganz herzlich gratulieren möchte und mich bereits auf unser nächstes gemeinsames Unterwegssein in den Bergen freue.
Uschi Leeb, Ausbildungsleiter-Stellvertreterin
Fotos: © ÖBRD