Was als schöne Winterwanderung mit meinem Vater begann, endete leider mit einem Einsatz der Bergrettung und im Krankenhaus.
Beim Aufstieg auf den Tirolerkogel in Annaberg in der doch zugegebenermaßen viel mehr winterlichen Landschaft als gedacht, kamen wir aufgrund der nicht mehr sichtbaren Steigspuren vom Weg ab und landeten plötzlich in sehr steilem, felsdurchsetztem Gelände. Nur mit den Wanderschuhen hatten wir wenig Halt und plötzlich rutschte ich am so ziemlich ungünstigsten Punkt oberhalb einer steilen Passage aus und stürzte etwa 15 Meter ab bis mich ein Baum unsanft abbremste. Ein starker Schmerz im Fuß machte sich unmittelbar bemerkbar und rasch war klar, dass ein Abstieg aus eigener Kraft wohl nicht mehr möglich sein wird. Mein Vater bekam den Absturz nur durch meine Schreie mit und verletzte sich dann auch noch am Arm, als er zu mir absteigen wollte. Zum Glück hatten wir Handyempfang und mein Vater konnte gleich einen Notruf absetzen.
Obwohl ein erstes Team der Bergrettung aufgrund des Wochenenddienstes am Tirolerkogel sehr schnell zu uns unterwegs war, fühlte sich jede Minute zehnmal so lange an. Mein Fuß schmerzte bei jeder kleinen Bewegung und nach und nach wurde mir dann auch immer kälter.
Doch dann hörten wir endlich Stimmen.
Als erstes entdeckten sie meinen Vater, der die beiden aufgrund seiner eher harmloseren Verletzung gleich zu mir weiterschickte. Die beiden Bergretter stellten sich bei mir vor und fragten nach wie es mir geht. Sie erklärten mir, dass sie noch etwas vorbereiten werden um sich zu mir abseilen zu können.
Kurz darauf trafen sie auch schon bei mir ein und ich bekam gleich als erstes eine Wärmedecke. Eine Bergretterin kümmerte sich um meinen verletzten Fuß und legte mir eine Schiene an, damit sie mich aus meiner misslichen Lage zwischen den Bäumen befreien können. Nach einem kurzen medizinischen Check und ein paar Fragen konnte ich am Funk auch schon mithören, dass weitere Bergretter mit Material für den Abtransport gleich bei uns sein werden. Die beiden Bergretter blieben die ganze Zeit bei mir, erklärten mir was sie als nächstes machen werden und informierten mich, dass bereits eine nachgekommene Bergrettungsärztin meinen Vater betreut.
Wenige Minuten später wurde auch schon der Akja zu uns abgelassen und die Bergretter lagerten mich um. Sie erklärten mir, dass ich jetzt auf einer Vakuummatratze liege bei der sie gleich die Luft absaugen werden, damit ich beim Abtransport ruhig und stabil liege und mein verletzter Fuß dann auch nicht so schmerzt. Zusammen mit der Wärmedecke war mir bis auf die Zehen auch nicht mehr so kalt. Ich bekam auch noch eine Skibrille aufgesetzt, damit mir kein Schnee in die Augen fallen kann. Da die vielen anderen Bergretter bereits eine Sicherung aufgebaut hatten, konnte es auch gleich mit dem Abtransport losgehen.
Der Abtransport im Akja war zum Glück weniger schlimm als ich befürchtet hatte. Trotz des steilen Geländes fühlte ich mich sicher, hatte kaum Schmerzen und wir kamen sogar rascher voran als ich es erwartet hatte.
Die beiden Bergretter informierten mich, dass jetzt dann gleich eine Forststraße kommt und dort schon ein Bergrettungsfahrzeug für den weiteren Abtransport auf mich wartet. Das Fahrzeug bringt mich zum Krankenwagen, wo dann auch schon mein Vater auf mich warten wird.
Bei der Übergabe an die Kameraden wünschten sie mir noch alles Gute und am Weg ins Krankenhaus fiel mir ein, dass ich mich eigentlich gar nicht richtig bedankt habe weil alles so schnell ging. Sobald ich wieder gehen kann werde ich das nachholen, denn ich bin wirklich froh, dass es so viele Menschen gibt, die bereit sind in ihrer Freizeit unentgeltlich Menschen in Not zu helfen.
Zum Glück war es nur eine Übung und ich hatte die Ehre die Patientin darstellen zu dürfen. Als Bergretterin in Ausbildung war es für mich sehr interessant und lehrreich den Ablauf so einer Übung aus dieser Perspektive miterleben zu dürfen. So kann man ein bisschen nachvollziehen wie sich ein Patient bei einem realen Einsatz fühlt und viel von den Kameraden im Umgang mit dem Patienten lernen.